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MFA kündigen – ohne dass daraus eine Kündigungsschutzklage wird

In Praxen mit zehn oder weniger Arbeitnehmern gilt das Kündigungsschutzgesetz nach § 23 Abs. 1 KSchG nicht — dort brauchst du keinen Kündigungsgrund. Trotzdem scheitern Kündigungen regelmäßig, und zwar fast immer an Formalien: Schriftform nach § 623 BGB, fehlende Vollmacht nach § 174 BGB, Sonderkündigungsschutz. Dieser Ratgeber zeigt die Reihenfolge, in der du vorgehst.

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Das Wichtigste in Kürze
  • Das KSchG greift nach § 23 Abs. 1 KSchG erst über zehn Arbeitnehmern; Teilzeitkräfte zählen anteilig.
  • Die Kündigung braucht nach § 623 BGB die Schriftform — E-Mail und Messenger sind nichtig.
  • Sonderkündigungsschutz nach § 17 MuSchG, § 18 BEEG und § 168 SGB IX gilt in jeder Praxisgröße.
  • Die außerordentliche Kündigung ist nur binnen zwei Wochen nach § 626 Abs. 2 BGB möglich.
  • Die Kündigungsschutzklage muss nach § 4 Satz 1 KSchG binnen drei Wochen erhoben werden, sonst wirkt § 7 KSchG.

Kündigungsschutzgesetz: Warum die Praxisgröße alles entscheidet

Ob du eine medizinische Fachangestellte ohne Angabe von Gründen entlassen kannst, hängt an einer einzigen Vorschrift: § 23 Abs. 1 KSchG. Der allgemeine Kündigungsschutz gilt nur in Betrieben mit mehr als zehn Arbeitnehmern. Die meisten Praxen liegen darunter und brauchen keinen sozial gerechtfertigten Grund nach § 1 KSchG.

Gilt das Gesetz, muss die Kündigung durch Gründe in der Person, im Verhalten oder durch dringende betriebliche Erfordernisse bedingt sein, § 1 Abs. 2 KSchG. Nach § 1 Abs. 1 KSchG greift der Schutz zudem erst nach mehr als sechs Monaten Beschäftigung. Innerhalb dieser Wartezeit kannst du auch in der großen Praxis frei kündigen.

Kleinbetrieb heißt trotzdem nicht rechtsfreier Raum. Auch ohne KSchG bleiben Grenzen:

  • Treu und Glauben. Eine Kündigung darf nach § 242 BGB nicht willkürlich oder aus verwerflichen Motiven erfolgen. Ein Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme wird auch im Kleinbetrieb verlangt.
  • Maßregelungsverbot. § 612a BGB verbietet die Kündigung als Reaktion darauf, dass die MFA zulässig Rechte ausgeübt hat — etwa Überstundenvergütung oder Urlaub eingefordert hat.
  • Diskriminierungsverbot. §§ 1 und 7 AGG gelten in jeder Praxisgröße. Eine Kündigung wegen Alter, Herkunft oder Geschlecht kann zusätzlich eine Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG auslösen.
  • Sittenwidrigkeit. § 138 BGB greift bei Kündigungen, die auf besonders verwerflichen Beweggründen beruhen.

Der Schwellenwert von zehn Mitarbeitern und wie gezählt wird

Der Schwellenwert wird nicht nach Köpfen bestimmt. § 23 Abs. 1 Satz 4 KSchG rechnet Teilzeitkräfte anteilig — und in einer Praxis mit vielen Teilzeitstellen entscheidet genau das über den Kündigungsschutz.

BeschäftigteZählwertGrundlage
Regelmäßige Wochenarbeitszeit bis 20 Stunden0,5§ 23 Abs. 1 Satz 4 KSchG
Regelmäßige Wochenarbeitszeit bis 30 Stunden0,75§ 23 Abs. 1 Satz 4 KSchG
Mehr als 30 Stunden, Vollzeit1,0§ 23 Abs. 1 Satz 4 KSchG
Auszubildende zur MFA0Werden beim Schwellenwert nicht mitgezählt
Praxisinhaber, Gesellschafter, Geschäftsführer0Keine Arbeitnehmer im Sinne des § 23 KSchG

Maßgeblich ist der Personalstand „in der Regel“, nicht der Stichtag der Kündigung. Eine kurzfristige Aushilfe zählt nicht mit, eine dauerhaft besetzte Krankheitsvertretung schon.

Eine Besonderheit betrifft langjährige Kräfte: Für Beschäftigte, deren Arbeitsverhältnis bereits vor dem 1. Januar 2004 bestand, gilt nach § 23 Abs. 1 Satz 2 KSchG die frühere Schwelle von mehr als fünf Arbeitnehmern. In alteingesessenen Praxen wird das regelmäßig übersehen.

Darlegungslast

Wer sich auf den Kündigungsschutz beruft, muss die Betriebsgröße darlegen und beweisen. Weil die Zahlen bei dir liegen, trifft dich eine abgestufte Mitwirkungspflicht: Du musst die Beschäftigtenstruktur offenlegen, sonst gilt der Vortrag der Gegenseite als zugestanden.

Kündigungsfristen nach § 622 BGB und im Manteltarifvertrag

Wird zu kurz gekündigt, ist die Kündigung nicht automatisch unwirksam — sie wird meist zum nächsten zulässigen Termin umgedeutet. Streit über Lohn und Urlaubsabgeltung entsteht trotzdem.

Dauer in der PraxisFrist für die ArbeitgeberkündigungZum Termin
In der Probezeit, längstens sechs Monate2 Wochen, § 622 Abs. 3 BGBZu jedem beliebigen Tag
Bis zwei Jahre4 Wochen, § 622 Abs. 1 BGBZum 15. oder zum Monatsende
Ab zwei Jahren1 Monat, § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGBZum Monatsende
Ab fünf Jahren2 Monate, § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BGBZum Monatsende
Ab zehn Jahren4 Monate, § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 BGBZum Monatsende
Ab zwanzig Jahren7 Monate, § 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 BGBZum Monatsende

Die verlängerten Fristen des § 622 Abs. 2 BGB gelten nur für dich als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber. Die MFA kann in jedem Fall mit vier Wochen zum 15. oder Monatsende kündigen, solange nichts anderes vereinbart ist.

Für medizinische Fachangestellte kommt der Manteltarifvertrag hinzu. Er gilt nur bei beiderseitiger Tarifbindung oder wenn der Arbeitsvertrag auf ihn verweist. Nach § 622 Abs. 4 BGB darf ein Tarifvertrag von den gesetzlichen Fristen abweichen, auch zu deinen Lasten. Vor jeder Fristberechnung gehört deshalb ein Blick in den Arbeitsvertrag.

Die Fälle, in denen gar nicht gekündigt werden darf

Sonderkündigungsschutz: Schwangerschaft, Elternzeit, Schwerbehinderung

Der Sonderkündigungsschutz gilt in jeder Praxisgröße — auch im Kleinbetrieb ohne KSchG. Wer ihn übersieht, kündigt unwirksam, und zwar ohne Reparaturmöglichkeit.

§ 17 MuSchG

Schwangerschaft und Entbindung

Eine Kündigung ist unzulässig während der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung. Das Verbot greift, wenn dir die Schwangerschaft bekannt war oder innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mitgeteilt wird. Nur die zuständige Landesbehörde kann sie nach § 17 Abs. 2 MuSchG ausnahmsweise für zulässig erklären.

§ 18 BEEG

Elternzeit

Das Verbot beginnt acht Wochen vor dem Start der Elternzeit und läuft bis zu ihrem Ende; bei Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes sind es vierzehn Wochen. Auch hier hilft nur eine behördliche Zulässigkeitserklärung.

§ 168 SGB IX

Schwerbehinderung

Die Kündigung eines schwerbehinderten oder gleichgestellten Menschen bedarf der vorherigen Zustimmung des Integrationsamts. Ohne sie ist sie unwirksam. Ausgenommen sind nach § 173 Abs. 1 SGB IX Arbeitsverhältnisse, die noch keine sechs Monate bestehen.

Der Schutz wirkt auch, wenn du von dem Umstand nichts wusstest: Bei der Schwangerschaft genügt die Mitteilung binnen zwei Wochen nach Zugang der Kündigung. Heilen lässt sich das nicht — die Kündigung muss nach der Zustimmung neu ausgesprochen werden.

Eine Trennung im Praxisteam wird schnell zum Verfahren

Auch eine sauber vorbereitete Kündigung landet vor dem Arbeitsgericht, wenn die Gegenseite anwaltlich vertreten ist. Beantworte kurz ein paar Fragen, dann meldet sich ein Experte mit einem Angebot für deine Praxis.

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Verhaltensbedingte Kündigung und die Abmahnung davor

Gilt das KSchG, braucht eine verhaltensbedingte Kündigung fast immer eine Abmahnung. Sie beanstandet das Fehlverhalten und warnt vor der Konsequenz. Ohne diese Warnung fehlt die negative Prognose, auf der die Kündigung aufbaut.

Vorfall dokumentieren

Datum, Uhrzeit, konkretes Verhalten, Zeugen. Eine Abmahnung wegen „wiederholter Unzuverlässigkeit“ ist wertlos — der Vorgang muss überprüfbar bezeichnet sein.

Abmahnung mit Warnfunktion

Neben der Beanstandung muss die Ankündigung stehen, dass im Wiederholungsfall die Kündigung droht. Fehlt dieser Satz, ist es nur eine Ermahnung. Eine Form schreibt das Gesetz nicht vor; nachweisbar ist nur die schriftliche Fassung mit Empfangsbestätigung.

Gleichartiger Wiederholungsfall

Die Kündigung trägt nur, wenn sich ein Verstoß aus demselben Pflichtenkreis wiederholt. Eine Abmahnung wegen Unpünktlichkeit rechtfertigt keine Kündigung wegen eines Dokumentationsfehlers.

Interessenabwägung

Zu gewichten sind Beschäftigungsdauer, bisheriger Verlauf, Unterhaltspflichten und Schwere des Verstoßes. Bei einer langjährigen MFA mit sauberer Personalakte scheitert die Kündigung oft hier.

Ohne Abmahnung geht es nur bei schweren Pflichtverletzungen, bei denen die MFA nicht mit einer Billigung rechnen durfte. In der Praxis sind das vor allem Verstöße gegen die Schweigepflicht nach § 203 StGB, Griffe in die Praxiskasse oder das Manipulieren von Abrechnungsdaten. Dann kommt auch die außerordentliche Kündigung nach § 626 Abs. 1 BGB in Betracht — mit der harten Grenze des § 626 Abs. 2 BGB: Sie muss innerhalb von zwei Wochen ab Kenntnis der maßgebenden Tatsachen erklärt werden.

Die beiden Formfehler, die Praxen am häufigsten unterlaufen

Erstens die Form: Nach § 623 BGB bedarf die Kündigung der Schriftform, die elektronische Form ist ausdrücklich ausgeschlossen. Eine Kündigung per E-Mail, Messenger oder Fax ist nichtig — auch wenn sie ankommt und niemand widerspricht. Zweitens die Vollmacht: Unterschreibt die Praxismanagerin oder der Steuerberater, kann die MFA die Kündigung nach § 174 BGB unverzüglich zurückweisen, wenn keine Originalvollmacht beiliegt. Dann ist sie unwirksam, und die Frist läuft von vorn.

Aufhebungsvertrag als Alternative – Sperrzeit und Abfindung

Der Aufhebungsvertrag beendet das Arbeitsverhältnis einvernehmlich und nimmt der Kündigungsschutzklage die Grundlage. Auch er bedarf nach § 623 BGB der Schriftform. Ein Widerrufsrecht gibt es nicht. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts muss aber das Gebot des fairen Verhandelns gewahrt sein: Wer eine MFA überrumpelt, ihr keine Bedenkzeit lässt und mit einer Strafanzeige droht, riskiert die Unwirksamkeit.

Der wichtigste Punkt für die Gegenseite ist die Sperrzeit: Wer an der Beendigung mitwirkt, löst nach § 159 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III grundsätzlich zwölf Wochen Sperrzeit beim Arbeitslosengeld aus. Daran scheitern Aufhebungsverträge häufiger als am Geld. Wird eine Abfindung gezahlt und die ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten, kann der Anspruch zusätzlich nach § 158 SGB III ruhen.

Abfindung

Es gibt keinen Anspruch darauf

Eine Abfindung ist Verhandlungssache. Nur § 1a KSchG kennt einen gesetzlichen Fall: Bietet die Arbeitgeberseite sie bei einer betriebsbedingten Kündigung ausdrücklich an und lässt die Beschäftigte die Klagefrist verstreichen, entsteht ein Anspruch von 0,5 Monatsverdiensten je Beschäftigungsjahr.

Inhalt

Was hineingehört

Beendigungsdatum, Freistellung, Abgeltung oder Gewährung des Resturlaubs nach § 7 Abs. 4 BUrlG, Rückgabe von Schlüsseln und Praxishandy, Verschwiegenheit nach § 203 StGB, die Zeugnisnote und eine Erledigungsklausel. Die Zeugnisformulierung gehört ausformuliert in die Anlage — dazu Arbeitszeugnis in der Praxis.

Die Drei-Wochen-Frist der Kündigungsschutzklage

Nach § 4 Satz 1 KSchG muss die MFA innerhalb von drei Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung Klage beim Arbeitsgericht erheben. Lässt sie die Frist verstreichen, gilt die Kündigung nach § 7 KSchG als von Anfang an wirksam — selbst wenn sie sozialwidrig war.

3 WochenKlagefrist

§ 4 Satz 1 KSchG, gerechnet ab Zugang der schriftlichen Kündigung. Die Frist gilt auch im Kleinbetrieb und auch für die Rüge von Formfehlern nach § 623 BGB.

2 WochenAußerordentliche Kündigung

§ 626 Abs. 2 BGB. Ab Kenntnis der maßgebenden Tatsachen bleiben dir zwei Wochen, um fristlos zu kündigen. Danach ist nur noch die ordentliche Kündigung möglich.

6 MonateWartezeit des KSchG

§ 1 Abs. 1 KSchG. Vor Ablauf von sechs Monaten gilt der allgemeine Kündigungsschutz nicht — das ist das Zeitfenster, in dem eine Trennung am einfachsten ist.

Eine nachträgliche Zulassung nach § 5 KSchG kommt nur in Betracht, wenn die Klage trotz zumutbarer Sorgfalt nicht rechtzeitig erhoben werden konnte. Für dich heißt das: Drei Wochen nach Zugang weißt du, woran du bist — bis dahin solltest du keine Ersatzkraft fest einstellen.

Kommt die Klage, folgt zunächst der Gütetermin. Wie er abläuft und worauf es dort ankommt, steht unter Gütetermin am Arbeitsgericht. Was ein solches Verfahren die Praxis kostet und warum § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG die Kostenerstattung in der ersten Instanz ausschließt, ist unter Kosten einer Kündigungsschutzklage aufgeschlüsselt.

Was das für den Rechtsschutz deiner Praxis bedeutet

Die Trennung von einer MFA ist ein arbeitsrechtlicher Konflikt mit einer eigenen Beschäftigten. Versicherbar ist er über den Arbeitsrechtsschutz für Arbeitgeber. Er ist der Baustein, der in kleinen Praxen am häufigsten fehlt — und der Fall, der am häufigsten eintritt.

Drei Punkte entscheiden darüber, ob der Schutz trägt:

  • Arbeitsrechtsschutz eingeschlossen. Ohne diesen Baustein bleibt jede Kündigungsschutzklage außen vor, auch die aus einem Kleinbetrieb ohne KSchG.
  • Wartezeit beachten. Sie liegt im Arbeitsrecht meist bei drei Monaten. Eine Trennung, die bereits angekündigt ist, lässt sich nicht mehr absichern — die Details stehen unter Wartezeit im Firmenrechtsschutz.
  • Vergleichs- und Abfindungskosten. Eine gezahlte Abfindung gehört nicht zu den Verfahrenskosten und wird nicht ersetzt. Getragen werden Anwalts- und Gerichtskosten nach RVG und GKG.

Weil § 12a Abs. 1 Satz 1 ArbGG die Erstattung der Anwaltskosten in der ersten Instanz ausschließt, bleibt dein eigenes Honorar auch bei vollem Erfolg bei dir. Genau das macht arbeitsrechtliche Verfahren für kleine Praxen kalkulatorisch unangenehm.

Welche Verfahren in Heilberufen sonst noch auflaufen — vom Regress bis zum Streit mit dem Praxisvermieter — und welche Bausteine zusammenpassen, steht gebündelt unter Rechtsschutz für Heilberufe.

Häufige Fragen zur Kündigung einer MFA

Ab wann gilt das Kündigungsschutzgesetz in einer Arztpraxis?
Nach § 23 Abs. 1 Satz 3 KSchG erst in Betrieben mit mehr als zehn Arbeitnehmern. Teilzeitkräfte zählen anteilig: bis 20 Wochenstunden mit 0,5, bis 30 Stunden mit 0,75. Auszubildende und die Praxisinhaber zählen nicht mit. Zusätzlich muss das Arbeitsverhältnis nach § 1 Abs. 1 KSchG länger als sechs Monate bestanden haben.
Kann ich einer MFA im Kleinbetrieb ohne Grund kündigen?
Grundsätzlich ja, wenn das KSchG nach § 23 Abs. 1 KSchG nicht greift. Grenzen bleiben aber: § 242 BGB verlangt ein Mindestmaß an sozialer Rücksichtnahme, § 612a BGB verbietet die Kündigung als Reaktion auf zulässige Rechtsausübung, und §§ 1 und 7 AGG gelten in jeder Betriebsgröße. Der Sonderkündigungsschutz gilt ebenfalls.
Welche Kündigungsfrist gilt für eine Arzthelferin?
Ohne Tarifbindung gilt § 622 BGB: In der Probezeit zwei Wochen, danach vier Wochen zum 15. oder Monatsende. Ab zwei Jahren Beschäftigung verlängert sich die Frist für die Arbeitgeberkündigung nach § 622 Abs. 2 BGB stufenweise bis auf sieben Monate zum Monatsende. Ein Manteltarifvertrag kann nach § 622 Abs. 4 BGB abweichen.
Ist eine Kündigung per WhatsApp oder E-Mail wirksam?
Nein. § 623 BGB verlangt für die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses die Schriftform und schließt die elektronische Form ausdrücklich aus. Eine per Messenger, E-Mail oder Fax übermittelte Kündigung ist nichtig, das Arbeitsverhältnis läuft weiter. Nötig ist ein unterschriebenes Original, das der Mitarbeiterin zugeht.
Brauche ich vor einer verhaltensbedingten Kündigung eine Abmahnung?
In aller Regel ja, sobald das KSchG anwendbar ist. Die Abmahnung muss den Vorfall genau bezeichnen und die Kündigung für den Wiederholungsfall androhen. Entbehrlich ist sie nur bei schweren Pflichtverletzungen, bei denen die MFA nicht mit Billigung rechnen durfte — etwa bei einem Verstoß gegen die Schweigepflicht nach § 203 StGB.
Wie lange habe ich Zeit für eine fristlose Kündigung?
Zwei Wochen. § 626 Abs. 2 BGB lässt die außerordentliche Kündigung nur innerhalb von zwei Wochen ab dem Zeitpunkt zu, an dem du von den maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt hast. Läuft die Frist ab, bleibt nur die ordentliche Kündigung. Eine laufende Sachverhaltsaufklärung kann den Fristbeginn hinausschieben.
Löst ein Aufhebungsvertrag eine Sperrzeit aus?
In der Regel ja. Wer an der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mitwirkt, muss nach § 159 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB III mit einer Sperrzeit von zwölf Wochen rechnen. Wird eine Abfindung gezahlt und die ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten, kann der Anspruch zusätzlich nach § 158 SGB III ruhen.
Was passiert, wenn die MFA die Drei-Wochen-Frist versäumt?
Dann gilt die Kündigung nach § 7 KSchG als von Anfang an rechtswirksam, auch wenn sie sozialwidrig oder formfehlerhaft war. Die Frist von drei Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung steht in § 4 Satz 1 KSchG. Eine nachträgliche Zulassung nach § 5 KSchG kommt nur bei unverschuldeter Verhinderung in Betracht.
Max Rothfuchs, Leiter der Hauptgeschäftsstelle
Fachlich geprüft von Max Rothfuchs
Geschäftsführer · Leiter der Hauptgeschäftsstelle · Sachkunde nach § 34d GewO

In kleinen Praxen scheitern Kündigungen selten am fehlenden Grund, sondern an Form und Zugang. Wer Schriftform, Vollmacht und Sonderkündigungsschutz vorab prüft, hat die häufigsten Angriffspunkte bereits ausgeräumt.

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